Ein eigenes Pferd

 

 

worüber Sie bei der Pferdesuche gründlich nachdenken sollten

 

Warum  möchte ich ein eigenes Pferd?

 

weil ich ein Grundstück von 10000 qm oder mehr habe und das nicht dauernd mähen will oder an Fremde verpachten möchte

weil ich gerne wandere, aber kein Gepäck tragen will

weil meine Freundinnen auch alle eines haben

weil ich die sturen, dummen, bemitleidenswerten, bösen, oder, oder , oder .. Reitschulpferde satt habe

weil ich etwas zum Betüdeln möchte und auch mal spazieren reiten will

weil ich Turniere reiten will

weil....

 

 

 Wofür möchte ich ein Pferd? 

 

 

zum Reiten,

Fahren, 

Rasenmähen,

zum Züchten, 

für die Schau,

für die ganze Familie

 

 

 Was soll mein zukünftiges Pferd können? Wie soll es sein?

 

 

1)    Allgemeines

Geschlecht, Farbe, Größe, Rasse, Gangarten, Alter

 

2) Ausbildung

halfterführig, longiert, ausgeleint/ausgelappt, an Sattel und Reitergewicht gewöhnt

an- oder aber eingeritten bis zu welchem Leistungsstand

welcher Reitstiel (z.B. englisch, western-pleasure, Trail,  Gangpferd, spanisch, wanderritterfahren, usw)

verkehrssicher, geländesicher, nachtsicher, verladefromm, landmaschinensicher, therapieerfahren,

ohne Unarten wie buckeln, steigen, wälzen mit Reiter, durchgehen, headshaking usw.

 

3)    Umgang

schmiedefromm, verladefromm, beißt und schlägt nicht

nicht eifersüchtig,  nicht futterneidisch

kinderlieb,  tierlieb

ruhig oder temperamentvoll

sensibel oder  cool

langsam oder schnell

 

    oder differenziert (z.B. flotter Schritt, langsamer Jog, flotter Trab, gemütlicher Galopp, Rennpass, -Tölt  usw)

 

 

 Haltung: Wie möchte und kann ich mein Pferd halten bzw. halten lassen?

 

 

hinterm Haus in Eigenregie,

Außen- oder Innenbox mit/ ohne täglicher Tagesweide im Sommer und täglichem Paddock im Winter

Box, Laufstall oder  Offenstall

eigener separater Paddock ganzjährig/ nur im Winter

Weidegang ganzjährig/ nur Sommer

oder, oder, oder

Selbstversorger oder mit Fütter-Service

Futter wird vom Stallverpächter gestellt: a) nur die Futtermittel, die der Verpächter aussucht, b)alle gewünschten Futtersorten (ggf. gegen Aufpreis) c) Verpächter besorgt nur Einstreu und Rauhfutter, und die Besitzer holen Kraftfutter, Müsli etc selbst und geben es zum Verfüttern an den Futtermeister ab.

Wer bestimmt über die Futterzeiten?

Wer bestimmt die Futtermengen? Nach welchen Kriterien? Mit welcher Qualifikation?

Wer überprüft die Qualitäten und weist mit welchem Erfolg ggf. muffiges, verschimmeltes Heu, übergorenes Silo oder klumpig-schimmeligen Hafer zurück?

 

 

 Welche „Fehler“ kann ich in Kauf nehmen?

 

 

z.B. statt 148cm Stm nur 138cm bei jeweils kräftiger Statur

oder statt 155cm  über 175cm bei gleich sanftem Wesen

„falsche“ Farbe, „falsches“ Geschlecht, zu jung, zu alt,

„falsche“ Rasse

stur statt bloß ruhig,  oder aber Raser statt nur leichtrittig

dämpfig, Ekzemer, Rehe-gefährdet, fehlsichtig,

supersicher aber bretthart oder butterweich aber schreckhaft

usw...

 

 

 Was kann ich meinem neuen vierbeinigen Freund bieten?

 

 

Ganzjährigen Auslauf mit anderen Pferden, einen trockene, windgeschützten Platz bei schlechtem Wetter, viele verschiedene Kräuter und Gräser, jederzeit einen festen und einen feuchteren, mistfreien Platz zum Wälzen, mindestens  alle 2 Tage 2-5 Stunden Zeit zum schmusen, pflegen, spazieren gehen, lernen, massieren, spielen, auch mal reiten, gründlicher anschließender Pflege, einen guten Futter- und Stallmeister mit dem „richtigen Auge“ für jedes Pferd, einen zuverlässigen Schmied mit Geduld auch für „Problemfälle“ und der Toleranz auch für „neuen“ Hufschutz wie z.B. Hufschuhe, einen jederzeit erreichbaren Tierarzt mit ganzheitlichem Wissen auch über „alternative“ Heilmethoden...  und Sie als einen Menschen, der in langen Jahren oder intensiven Kursen gelernt hat, wie Pferde leben, fühlen, agieren; der Dominanz ausstrahlen kann auch ohne Peitsche in der Hand, der ruhig und gelassen zum Pferd kommt und die Hektik des Arbeitstages schon daheim abgestreift hat, der sich nicht nur in reiterlichen Techniken sondern auch im Umgang ständig weiter bildet um sich immer besser ins Pferd ein zu fühlen, um in der Hilfengebung immer leichter zu werden, dem das Pferd vertrauen kann und für den das Pferd alles ihm Mögliche tut. Bieten Sie ihm auch die nötige Zeit - selbst wenn es gerade nicht paßt, bleiben bei ihm bei Kolik oder Verletzung, auch wenn schon ein 16-Stunden-Tag hinter ihnen liegt, alle anderen in die Disko gehen oder im Ofen der Weihnachtsbraten verschmort? Und wenn Sie mitten in der Gewitternacht von der Polizei rausgeklingelt werden wegen eines Baumes, der auf den Weidezaun gestürzt ist, reparieren Sie dann im strömenden Regen sofort das Desaster?

 

 

 Und was kommt am Ende heraus?

 

 

Tja, es kann passieren, daß sich jetzt herausstellt, daß es, wenn Sie ganz ehrlich zu sich sind,  noch zu früh für ein eigenes Pferd ist!

Nicht traurig sein! Sie haben jetzt mit dieser Erkenntnis mehrere neue Wege offen:

Suchen Sie sich ein Pflegepferd bei einem sachkundigen Besitzer und guten Trainer. Schauen Sie viel zu, klauen Sie mit den Augen, fragen Sie nach dem wie, was und warum etwas gemacht wird. Lernen Sie so viel Sie nur können, eventuell auch reiten.

Besuchen Sie einige Kurse in Horsemanship und lernen Sie dort, wie man mit Pferden verantwortungsbewußt und sinnvoll umgeht und arbeitet.

Versuchen Sie einen guten Lehrer zu finden, der später, wenn das Abeuteuer eigenes Pferd endlich begonnen hat, Sie und Ihr Roß weiter betreut, damit Sie das Erlernte nun anwenden und festigen können.

 

Wenn aber die äußeren Umstande stimmen, dann noch einige Tipps:

Bitten Sie den Verkäufer, Ihnen das Pferd vor zu führen oder vor zu reiten und beobachten Sie, ob das Pferd ihm vertraut und gehorcht und wie ggf. mit Ungehorsam umgegangen wird.

Besuchen Sie das Pferd mindestens 3mal oder besser öfter; am besten, Sie vereinbahren eine Ankaufuntersuchung und verzögern diese ein klein wenig, um in dieser Zeit möglichst täglich längere Zeit mit dem Pferd zusammen sein zu können und sich vom Vorbesitzer erklären zu lassen, wie es bisher behandelt worden ist, was es kennt, was es mag, was es fürchtet, was es gerne frißt, u.v.m.. Wenn möglich, sollten Sie das Pferd in dieser Zeit auch mehrfach unter Anleitung reiten und auf alle Fälle mit ihm im Gelände/Verkehr spazieren gehen. Ist alles o.k. und auch der Tierarzt findet keine störenden Mängel, haben Sie reiflich Zeit für Ihre Entscheidung gehabt.

Hat das Pferd Papiere und einen Pferdepaß? Der ist seid 2000 gesetztlich vorgeschrieben für alle Equiden.

Sie können die nötigen Formulare gleich bei der Ankaufuntersuchung ausfüllen lassen. (Kosten z.B. mind. 120,-DM insgesamt für ein Freizeitpferd ohne deutschen Abstammungsnachweis)

Auch eine Probezeit ist eine gute Idee, doch gehen nicht alle Verkäufer darauf ein. Wie wäre denn eine Probezeit auf dem Hof des Verkäufers (natürlich gegen Futterkosten)?

Oder

Sie finden fast per Zufall ein Roß, das in vielem von Ihren Wunschvorstellungen abweicht, aber bei dem Sie das Gefühl haben, sich sofort mit ihm zu verstehen, akzeptiert zu werden und sich jederzeit wohl und sicher zu fühlen. Wenn es vier Beine hat und gesund genug ist - nehmen Sie es! Denn was nützt das theoretisch genau passende Pferd, wenn die „Chemie“ nicht stimmt?

Und ein wenig rechnen sollten wir jetzt auch noch.***

 

Oder wie ist es, wenn sich Ihre Kinder oder Enkel ein eigenes Pferd oder Pony  wünschen?

 

Meine Reitkinder hatten auch oft diesen Wunsch.

Und so ist der folgende Brief an die Eltern einer 12jährigen Pferdenärrin entstanden, der auch Ihnen weiterhelfen wird:

 

Ein eigens Pferd für’s Kind!?!

 

 

Ein grausam ehrlicher Brief an die Eltern meines Pflegemädchens

 

bitte lesen Sie im nächste Kapitel weiter

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Kosten der Pferdehaltung bei Haltergemeinschaft oder eigener Haltung Stnd 2013


die Kosten der Pferdehaltung steigen genauso wie unsere normalen Lebenshaltungskosten,

  daher nur kurz einige Anhaltspunkte:

  2013 kostet das billigste 250g-Päckchen Butter 89 Cent,

die SozialMiete in Bremen max. 6,50€ pro qm,

eine  mittelprächtige Stadtwohnung in Bremen

zwischen 2000 und 4000,-€/qm Kauf- bzw. Baukosten

und

ein Freizeit-Kleinpferd, gesund und angeritten oder aber 14 und mehr Jahre alt 2500,-€ bis wesentlich mehr - je nach Jahreszeit, Gegend und Können.

Kleinpferde mit Mängeln

können wesentlich weniger in der Anschaffung kosten, bringen aber meist hohe monatliche Zusatz-Kosten für deren besondere Versorgung (Medizin, Tierarzt; Spezialbeschlag, Spezialfutter u.v.m.) und immer wieder mal Ausfallzeiten; oder sie sind grundsätzlich nur noch gering belastbar.

Rechnen Sie in jedem Fall

noch einmal 2500,-€ für die Basisausrüstung vom Halfter bis zum Sattel, von der Allwetterdecke bis zum Mähnenkamm dazu.

Je nach Unterbringung fallen täglich ca. 1-2 Stunden Arbeit für das Pferd morgens und abends an, dazu monatliche Futter-Kosten von
50,- bis 600,-€ an.

Hinzu kommen die notwendigen, üblichen Impfungen, Wurmkuren, der Hufschmied, die Versicherungen, Trainergebühren, Verbands- und ggf. Vereinsbeiträge, die pro Jahr leicht noch mal 1000,-€ und mehr ausmachen.

Außerdem sollten Sie für jederzeit mögliche  Katastrophen wie OP, Unfall usw. den gesamten Anschaffungswert des Tieres, mind. aber 2000,-€ sicher auf'm Sparbuch liegen haben.

Nach meiner Erfahrung braucht man dies Sparbuch alle 5-10 Jahre...

Aktuelles:

ständiger Reiterflohmarkt

Betriebspraktikum  mit Pferden

Aktiv-Ausstellung Mit Hobby-Kunst rund um Pferde und andere Tiere

Ausprobieren und/oder fragen, was in der Reitschule nicht geht