Pony-Detektive

 

Daß im Rahmen der Verbrechensbekämpfung und -aufklärung tierische Mitarbeiter eingesetzt werden, ist nicht neu: Jeder kennt Polizeihunde. Daß sich aber auch ganz normale Freizeitponys dazu eignen, haben wir unlängst selbst erlebt:

 

Am Dienstagnachmittag hatten wir uns zum Ausreiten verabredet. Es war, wie so oft in diesem März klirrend kalt, so dass ich es vorzog, direkt auf der Heizung zu sitzen, daß heißt, mein Pony ohne Sattel zu reiten. Der eisige Wind pfiff uns selbst bis in die Kapuzen, aber die Ponys waren guter Dinge; sie meinten, das sei richtiges Isländerwetter und schritten flott voran. Als wir schon auf dem Heimweg waren, entdeckte mein Pony neben dem Weg mal wieder eine wilde Müllkippe und wollte drauf zu halten - er ist manchmal unverschämt neugierig. Zu ärgerlich, das die Leute mit ihren  Abfälle die schöne Natur verschandeln, dachte ich noch, während ich meine Dicken wieder geradeaus lenkte. Doch im Vorbereiten, sah ich im Augenwinkel etwas blitzen. "Halt mal", sagte ich zu meinem Begleiter, "ich glaube dort liegt Diebesgut. Das sehe ich mir genauer an. Mal gucken, ob wir die Polizei benachrichtigen müssen." Ich wendete mein Pony, ritt zurück und sah die Bescherung: Im hohen Halmheu lagen kleine, offene Pappschachteln vom Juwelier oder Uhrmacher. Ich sprang ab, ließ mein Pony grasen und begann, vorsichtig den "Tatort" in Augenschein zu nehmen: Da lagen 2 Uhren und eine Kette und bei genauerem Hinsehen war des alte Gras voll von Dingen, die ihre Besitzer hier bestimmt nicht freiwillig liegenlassen würden. Mit klammen, behandschuhten Fingern begann ich aufzuklauben, was ich finden konnte: neben den  Uhren und Ketten auch  Ohrstecker, Manschettenknöpfe, Broschen, Medaillen und Anhänger. Inzwischen konnte ich meinem wartenden Begleiter erzählen, daß es sich bei dem Besitzer der Dinge um vermutlich einen Mann und eine Frau aus der Näheren Umgebung handeln mußte, denn die Schachteln waren von einem Laden aus dem übernächsten Ort Weiter konnte ich sagen, daß der Freund oder Mann der Frau Harald hieß, wegen der Widmung auf einem Anhänger und daß einer der beiden Sternzeichen Stier ist. Weiter hinten, nahe der Abbruchkante lagen dann noch drei Brieftaschen. Geld oder Ausweise fand ich nicht darin, aber Rechnungen und einen Brillenpaß, so daß ich schließen konnte, daß die Sachen im übernächsten Ort gestohlen  worden sein mußten. All das berichtete ich meinem auf die Ponys aufpassenden Mitstreiter, der vom Weg aus ja nicht viel sehen konnte. Eine Tüte hatte ich natürlich nicht dabei, also stopfte ich mir alles in die  voluminösen Taschen meiner Weste, die am Ende beide randvoll gesammelt waren.

Nun aber hatte ich ein großes Problem: Wie sollte ich wieder auf mein Pony kommen, ohne daß mir etwas aus den Taschen fiel? Mit List und Tücke schaffte ich das dann aber doch, indem ich meinen Dicken in eine Ackerfurche dirigierte und vom erhöhten Ackerrand aus aufsprang. Jetzt ging es flott zum heimatlichen Stall. Vor dem Bauernhaus übergab ich mein Pony meinem Mitreiter und bat ihn, es zu versorgen, während ich die Polizei informieren wollte. Unser Verpächter schaute recht verdutzt von seinem Abendessen auf, als ich bat, die Polizei anrufen zu dürfen, ließ mich dann aber machen. Die Pony waren kaum versorgt und gefüttert, da fuhr der grünweiße Golf unserer Dorfpolizei auf den Hof und ich breitete meine "Schätze" auf dessen Motorhaube aus. In einer der Brieftaschen fanden sich versteckt doch noch einige Geldscheine, insgesamt 80 DM. Die Polizisten, die genauso froren wie wir, beeilten sich, die nötigen Daten zu protokollieren und verschwanden dann bald wieder.

Die Bewohner der umgebenden Häuser hatten sich inzwischen längst auf dem Hof eingefunden, und wollten wissen, was denn passiert sei. Unser Verpächter hatte sogar Fotos gemacht. "Endlich mal was los hier." meinte er. - Am Tag darauf erhielt ich einen Anruf, daß die Sachen aus einem Einbruch von der Nacht zuvor stammten. Ich hoffe, die Leute haben sich gefreut, wenigstens einen Teil ihrer Sachen wieder bekommen zu haben. Vielleicht fällt für die Pony ja noch eine Tüte Äpfel als Belohnung ab?

 

Ach ja, wer jetzt meint, das wäre das Einzige oder gar das Wertvollste gewesen, das ich je auf einem Ausritt gefunden habe - oh nein, weit gefehlt.

Irgendwie habe ich so eine Gabe, über Dinge zu stolpern, die andere gar nicht sehen oder achtlos liegen lassen, seien es nun seltene Kräuter,  Handschuhe, zwei Seidenschals, Fahrräder, allerlei Werkzeug, ein entlaufenes Pony, einzelne Schafe oder Rinder oder eine ganze Kuhherde. Irgend etwas finde ich immer mal, wenn ich mit meinen vierbeinigen Freunden unterwegs bin. Nur die Polizei hatten wir noch nie benötigt, um einen Fund zu regeln....

 Ach übrigens - Finderlohn oder Dank von den Bestohlenen haben weder die Ponys noch wir je erhalten - schade eigentlich. Ich jedenfalls hatte mich ehemals nach dem Einbruch in unser Gartenhaus sehr gefreut, einen Teil meiner Habseligkeiten zurück zu bekommen und dem Überbringer  wenigstens einen Kaffee angeboten...

erlebt und aufgeschrieben von Ricki, Blida sowie Günter und Waltraud

Aktuelles:

ständiger Reiterflohmarkt

Betriebspraktikum  mit Pferden

Aktiv-Ausstellung Mit Hobby-Kunst rund um Pferde und andere Tiere

Ausprobieren und/oder fragen, wofür in der Reitschule keine Zeit , keine Ruhe oder kein Mut ist